Weite Teile des Inneren der Insel liegen unter dem Meeresspiegel, ohne regelmäßige Entwässerung würde zumindest längs des Beekstroms das Land ständig unter Wasser stehen. Die jetzige Schleuse am Tammensiel mit der vorgelagerten Spülkuhle hilft dies zu verhindern. Ein Netz von Sielzügen trägt Sorge dafür, dass das Wasser seinen Weg zur Pumpstation vor der Spülkühle findet und von dort bei Niedrigwasser ins Hafenbecken fließen kann.
Nun war es am 16. Oktober auf den Tag genau einhundert Jahre her, dass die Schleuse am Hafen feierlich in Betrieb genommen wurde. Die alte Schleuse, die bereits um 1800 in Betrieb genommen war, genügte den Anforderungen nicht mehr. Der Durchlass war zu gering, die Schleuse selbst schloss nicht mehr richtig, so dass auch bei geschlossenen Schleusentoren Seewasser in die Spülkuhle laufen konnte. Nicht zuletzt aufgrund des als mangelhaft beschrieben Zustandes der Schleuse betrug der Binnenwasserstand im Winter 1923/24 + 1,75 m, die Hälfte der Insel stand unter Wasser.

Schon 1919, also kurz nach dem 1. Weltkrieg, hatte die Gemeinde Pellworm Anträge dem Ministerium für öffentliche Arbeiten sowie beim Wasserbauamt Husum eingereicht, u.a. mit dem Ziel eines Neubaus der Schleuse. Die schwierige wirtschaftliche Situation nach dem Krieg sowie die Inflation 1923 führten dazu, dass zunächst nur eine Behelfsabdichtung der alten Schleuse erfolgen konnte. Ab 1924 wurden die Planungen zum Neubau der Schleuse wieder aufgenommen und vorangetrieben. Das Wasserbauamt Husum legte einen Sonderentwurf über den Neubau der Entwässerungsschleuse am Pellwormer Hafen am 7. April 2025 vor. Bereits im Frühjahr 1925 wurde zunächst mit der Verbreiterung des Spülbeckens begonnen, der Neubau der Schleuse erwies sich als technisch herausfordernd, da die südlich vom Neubau befindliche alte Schleuse weiterbetrieben werden musste. Bei den Arbeiten wurden Reste einer im Jahr 1800 aufgegebenen noch älteren Schleuse gefunden. Die Kosten für den Neubau der Schleuse betrugen 456.000 Reichsmark, was heute einem Betrag von 2,1 Mio Euro entsprechen würde.


Grund genug für Gemeinde, Deich- und Sielverband sowie das kommunale Inselarchiv, das 100. Jubiläum der Inbetriebnahme der neuen Schleuse gebührend zu feiern.
Bereits in der Mittagszeit gab der Schöpfwerkswärter des Deich- und Sielverbands Pellworm Rolf Hansen am Schleusengebäude fachmännisch Auskunft über die Funktionsweise der Schleuse, die 116 acht Meter langen Eichenpfähle, auf die das Gebäude gegründet wurde und eine Technik, die auch nach 100 Jahren noch reibungslos funktioniert. Da das Schleusengebäude im Deich steht, zählt es zu den Einrichtungen des Landesamtes für Küsten- und Naturschutz (LKN), wird aber vom Deich- und Sielverband betreut. Die Schleuse wird ebenfalls benötigt, um den Hafen von Sedimenten frei zu spülen, was drei bis viermal im Monat der Fall ist. Wann und wie beispielsweise gespült wird, dabei helfen heute Wetter-Apps und natürlich viel Erfahrung. Rolf hob lobend hervor, dass diese Hilfsmittel beispielsweise seinem Vorgänger Kurt Kossatz, der 35 Jahre die Schleuse betreut hat, nicht zur Verfügung standen.

Am Nachmittag stand dann die offizielle „Geburtstagsfeier“ an. Das Team des Schifffahrtsmuseums um Dieter Schröer hatte die Räumlichkeiten im Dampferschuppen zur Verfügung gestellt und Archivleiterin Magdalena Hanft gelang es, mit historischen Fotografien, Zeitungsausschnitten, technischen Unterlagen und sogar einer Neuaufnahme der Originalrede des Landrats und Oberdeichgrafens Dr. Clasen zur Einweihung der Schleuse den Werdegang und die historischen Hintergründe eindrücklich darzustellen.

Astrid Korth konnte als Bürgermeisterin eine illustre Schar von Ehrengästen begrüßen. Deichgraf Ernst August-Thams, die stellvertretende Landrätin Tordis Batscheider und Oberdeichgraf Jan Rabeler sowie der Geschäftsführer des Deich- und Hauptsielsverbandes Südwesthörn-Bongsiel Thies Horn.V om LKN waren Jan Christoffersen und Fabian Lücht zum Jubiläum gekommen.

Deichgraf Ernst August Thams wies in seiner Begrüßung auf die Notwendigkeit einer ausreichenden Entwässerung der Insel und sich häufiger stellenden Probleme hin.
Tordis Batscheider überbrachte die Glückwünsche und Grüße von Landrat Florian Lorenzen sowie Kreispräsident Frank Zahel und betonte in Ihrer Ansprache u.a. auf die, gemessen an heutigen Verhältnissen, kurze Zeit zwischen ersten Planungen und Fertigstellung der Schleuse.

Archivleiterin Magdalena Hanft, die das Kunststück fertiggebracht hatte, quasi mit Bordmitteln eine beeindruckende Dokumentation zusammenzustellen, bedankte sich ausdrücklich bei Ingke Clausen, die bereitwillig Unterlagen aus dem umfangreichen Archiv ihres vor kurzem verstorbenen Ehemannes Heinz zu Verfügung gestellt hatte. Magdalena Hanft machte in Ihrer Erläuterung zu Ausstellung noch einmal deutlich, wie wichtig Geschichte und historische Einordnung für unser jetziges Leben und auch aktuelle Entscheidungen sind. Beeindruckend, die Originalrede des Landrats und Oberdeichgrafs Dr. Clasen zu hören, der vor hundert Jahren davon sprach, dass trotz viel Nörgelei und Kritik mit der neuen Schleuse ein Großes Kulturwerk geschaffen worden sei. „Hoch lebe die rechte Schaffenskraft im deutschen Volke“ waren die Worte, mit denen er die Schleuse ihrer Bestimmung übergab. Der ausdrucksvolle Weihspruch unterstrich die Bedeutung des Bauwerks: „Das Tor im „güldenen Ring“, das neu erstand, ist ein Segenswerk im nordfriesischen Land! Wenn sich das Meer erhebt im grimmigen West, trotz ihm Geschlechter lang! Bleib stark und fest. “

Dicht gedrängt hatten die zahlreichen Besucher der Jubiläumsfeier den Reden gelauscht bevor sie sich intensiver bei Sekt und Schnittchen den interessanten Exponaten widmen konnten. Sofern keine Hochwasser mit Überschwemmung der Räumlichkeiten des Museums drohen soll die Ausstellung bis Mitte November geöffnet haben, für das nächste Jahr ist eine Dauerausstellung zur Hafenschleuse geplant.

Uwe Kurzke
Fotos: Inselarchiv Heinz Clausen
Uwe Kurzke




