Orgelbauverein zum Erhalt der Arp-Schnitger-Orgel gegründet
2011 konnten wir auf Pellworm den 300. Geburtstag unserer berühmten Arp- Schnitger- Orgel feiern. Eine Orgel, die weit über Schleswig-Holstein bekannt ist und auf der jedes Jahr hervorragende Organistinnen und Organisten mit Begeisterung musizieren.
Ein so altes Instrument muss regelmäßig gepflegt und gegebenenfalls auch repariert werden. Die letzte große Instandsetzung fand Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts statt. Für die Restaurierung orientierte man sich an der 1680 von Schnitger ursprünglich für die Johannis Kirche des ehemaligen Johannisklosters in Hamburg erbauten Orgel, die 1813 abgebaut und seit 1816 in Cappel in der Peter und Paul Kirche steht. Die Restauration stand unter der fachkundigen Leitung der Firma Hillebrand, über deren Arbeit Matthias Hoffmann-Borggrefe auch heute noch voll des Lobes ist.

Seitdem sind gut 40 Jahre ins Land gezogen, die auch an der Arp Schnitger Orgel nicht spurlos vorübergegangen sind. So stehen erneut dringende Reparaturen an, soll die Orgel weiterhin auf hohem Niveau spielbar bleiben. Gleichzeitig weiß man heute, dass die Pellwormer Orgel dem Spätwerk Arp Schnitgers zuzuordnen ist und die Orgel in Cappel eigentlich nicht zum Vergleich und zur Orientierung herangezogen werden kann. Nach einem Gutachten aus dem Jahr 2024 liegen allein die Kosten für die Reparatur, d.h. lediglich die Sicherung zum Erhalt der Orgel, bei gut 100.000 €. Will man das große Ziel angehen, die Orgel in ihren Originalzustand als eines der kaum noch existierenden Bauten aus dem Spätwerk Arp Schnitgers zu restaurieren, dann steht allerdings eine Summe bis zu einer halben Million Euro im Raum.
Viel Geld für eine kleine Kirchengemeinde, die schon für den Erhalt der beiden Kirchen auf Unterstützung vom Festland angewiesen ist. Mit Dorkas Sibbert, der Organistin an der Alten Kirche, Kirchenmusikdirektor Matthias Hoffmann-Borggrefe und dem Historiker Walter Fohrbeck hat sich bereits vor längerer Zeit ein Kreis gebildet, der sich intensiv mit den Möglichkeiten zur Rettung und Sicherung der Orgel beschäftigt.

Mit viel ehrenamtlichem Engagement findet seit Jahrzehnten der Orgelsommer mit herausragenden Organistinnen und Organisten auf Pellworm statt. Zurzeit fließt jeder Cent, der bei diesen Orgelkonzerten im Sommer eingenommen wird, an die Kirchengemeinde, die damit u.a. auch den laufenden Betrieb finanzieren muss. Soll das eingenommene Geld ausschließlich der Restauration der Arp Schnitger Orgel zu Gute kommen, muss ein anderer Weg gefunden werden.
An vielen Orten mit berühmten Orgeln gibt es Orgelbau-Vereine, die sich um den Erhalt ihres kulturellen Schatzes bemühen, dies kann auch für Pellworm der Weg sein, die hohen Kosten zu finanzieren. Tatsächlich würde durchaus die Möglichkeit bestehen, dass Stiftungen sich an der Wiederherstellung des Originalzustandes der Orgel beteiligen. Dies gilt aber nur für die Kosten der Restauration, die Kosten für die notwendigen Reparaturen müssten vom Orgelbauverein selbst aufgebracht werden.
Dorkas Sibbert erläuterte eingangs die Gründe, die für die Gründung eines Orgelbauvereins sprechen und Matthias Hoffmann-Borggrefe ging gemeinsam mit den Anwesenden den vorbereiteten Satzungsentwurf durch. Bereits im Vorfeld waren Fragen zur Gemeinnützigkeit etc. mit dem Finanzamt und dem Vereinsregister beim Amtsgericht geklärt worden. Große Diskussionen über den vorgelegten Satzungsentwurf gab es nicht, lediglich die Frage der Mitgliedsbeiträge wurde eingehend besprochen. So entschied man sich für einen recht niedrigen Beitrag von 2 € / Monat, so dass möglichst viele Pellwormerinnen und Pellwormer mit ihrer Mitgliedschaft den Erhalt der Orgel unterstützen können, wobei es jedem und jeder freigestellt ist, auch gerne einen höheren Jahresbeitrag zu zahlen. Für Institutionen und Firmen wurde ein Mitgliedsbeitrag von 50 €/Jahr festgelegt. Die Mitgliedsbeiträge werden vom Finanzamt als Spende anerkannt werden.

8 Anwesende unterzeichneten den Satzungsentwurf als Gründungsmitglieder und aus ihrem Kreis wurde der dreiköpfige Vorstand mit Dorkas Sibbert, Doris Ohrt und Matthias Hoffmann-Borggrefe gewählt. Dorkas Sibbert fungiert als 1. Vorsitzende und alle drei nahmen unter dem Beifall der Anwesenden die Wahl an. Walter Fohrbeck und Markus Heckert erklärten sich bereit, als Kassenprüfer den jungen Verein zu unterstützen. Landesbischof em. Gerhard Ulrich hat bereits seine Bereitschaft erklärt, die Schirmherrschaft für den jungen Verein zu übernehmen.

Eine Menge Arbeit liegt nun vor dem neu gewählten Vorstand. Zunächst müssen die wichtigen Schritte zur Eintragung des Vereins und Anerkennung der Gemeinnützigkeit eingeleitet werden. Neue Mitglieder und Unterstützer müssen gefunden werden, der nächste Orgelsommer muss vorbereitet werden und neben zahlreichen Gesprächen mit Fachleuten muss vor allem Ausschau nach weiteren Spendern gehalten werden.
Als vor mehr als 300 Jahren 52 Pellwormer Familien, von wohlhabenden Bauern bis hin zu einfachen Gemeindemitgliedern, bereit waren, diese besondere Orgel der Insel und ihren Bewohnern zum Geschenk zu machen, war vermutlich nicht abzusehen, welch große Bedeutung diese Orgel in späteren Jahrhunderten einmal haben würde. Vergangene Generationen haben sich immer wieder mit viel Mühe um den Erhalt des Schatzes bemüht und mit dem Orgelbauverein kann sich nun jeder, der sich Pellworm und der Alten Kirche St. Salvator verbunden fühlt, daran beteiligen.

Mitgliedsanträge können per Mail an info@orgelbauverein-pellworm.de angefordert oder über die Webseite des Vereins www.orgelbauverein-pellworm.de heruntergeladen werden.
Uwe Kurzke
Fotos Nik Meyer




