Pellworm bekommt (endlich) eine U-Bahn

Baubeginn 2028 nach dem Seilbahn-Aus

Nach jahrelangen Debatten, Gutachten und einem spektakulären Scheitern steht fest: Die Nordseeinsel Pellworm erhält eine direkte unterirdische Verbindung zum Festland. Der lange ersehnte Seilbahn-Bau von Nordstrand (Strucklahnungshörn) nach Pellworm, der noch 2024/25 als „innovatives Verkehrsprojekt vor Realisierung“ gefeiert wurde, ist im Herbst 2025 endgültig gescheitert.

Die Gründe für das Aus waren vielfältig und teils dramatisch:
• Massive Kostensteigerungen (von ursprünglich geschätzten 180 Mio. € auf über 470 Mio. €)
• Massive Proteste von Naturschutzverbänden („Wattenmeer-Weltkulturerbe durch Seilbahnpfeiler zerstört“)
• Technische Schwierigkeiten bei den Fundamenten im Schlick-Watt
• Und zu guter Letzt: Der Investor zog sich nach einem spektakulären Korruptionsverdacht zurück

Nach diesem Desaster schien die Insel wieder auf Jahrzehnte an die betagte Autofähre „MS Pellworm I“ und die oft verspäteten Zubringerbusse nach Husum verdammt zu sein. Doch genau dieses Scheitern wurde zum Startschuss für das derzeit verrückteste und zugleich ambitionierteste Verkehrsprojekt Schleswig-Holsteins: die U-Bahn Pellworm–Husum.

Die wichtigsten Eckdaten des Projekts (Stand März 2026):
• Name (Arbeitstitel): Nordsee-Tunnel U 1 „Pellworm-Express“
• Baubeginn: Frühjahr 2028 (erster Rammschlag am Pellwormer Außenhafen)
• Geplante Inbetriebnahme: 2035–2037 (je nach Witterung und Archäologie-Funden im Watt)
• Streckenlänge: ca. 18,7 km (davon ~16 km unterseeisch / im Deichkörper)
• Fahrzeit Strucklahnungshörn ↔ Pellworm Zentrum: 14–16 Minuten
• Fahrzeit Pellworm ↔ Husum Hauptbahnhof: 29 Minuten
• Zugtyp: Batterie-/Hybrid-Triebzüge (Oberleitung im Tunnel aus Kosten- und Korrosionsgründen nicht gewünscht)
• Haltestellen (provisorische Namen):
◦ Husum Hbf (Tiefbahnsteig neu)
◦ Husum Hafen / Hafenpromenade
◦ Nordstrand Mitte
◦ Strucklahnungshörn Nordsee
◦ Pellworm Tiefwasseranleger
◦ Tammensiel / Kurzentrum
◦ Pellworm Alte Kirche

Das Bauwerk wird als Schildvortrieb-Tunnel (zwei eingleisige Röhren) ausgeführt, beginnend im Deichbereich bei Strucklahnungshörn. Die Tunnelröhren tauchen dann ab in den Meeresboden des nordfriesischen Watts und kommen – nach einer leichten Kurve – am bestehenden Außenanleger von Pellworm wieder ans Tageslicht. Von dort führt eine kurze unterirdische Rampe ins Inselinnere.

Finanziert wird das Megaprojekt aus einem bunten Mix:
• 55 % Bund („Zukunftsprogramm Klimaneutrale Inselanbindungen“)
• 25 % Land Schleswig-Holstein
• 12 % EU-Kohäsionsfonds + „Just Transition“-Topf
• 8 % Eigenanteil Kreis Nordfriesland + Pellworm + private Hoteliers & Landwirte (die sich massive Tourismus-Zuwächse erhoffen)
Kritiker nennen das Vorhaben „Wahnsinn im Watt“, Befürworter sprechen vom „Jahrhundertprojekt für die Nordseeinseln“. Die Pellwormer selbst sind gespalten: Die einen träumen schon von Tagesausflüglern aus Hamburg, die um 7:45 oder 9:45 Uhr starten und um 19:05 Uhr wieder zu Hause sind – die anderen fürchten, dass die beschauliche Insel ihren Charakter verliert, wenn plötzlich Hunderte Pendler und Kreuzfahrt-Touristen täglich ankommen.
Eines ist aber klar: Nach dem Seilbahn-Fiasko wollte niemand mehr eine weitere jahrzehntelange Planungsphase riskieren. Deshalb wurde – ungewöhnlich für deutsche Verhältnisse – innerhalb von nur 18 Monaten ein Planfeststellungsbeschluss durchgeboxt.

Baubeginn Frühjahr 2028. Dann wird das erste Schildvortriebsgerät „Watten Willie“ seinen Namen erhalten – und sich langsam, aber stetig in Richtung Pellworm fressen.
Die grüne Insel bekommt dann tatsächlich eine grüne (batteriebetriebene) U-Bahn.
Und Husum wird zur ersten nordfriesischen Stadt mit direktem Untersee-Tunnel-Anschluss an eine Nordseeinsel.
Man darf gespannt sein.
 

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